Da stehe ich nun also mit meinem Rennrad am Fusse des Regensbergers. Leise Selbstzweifel kommen auf. Werde ich den Berg auch dieses Mal bezwingen? Reichen meine Kondition und Kraft? Eigentlich müsste es doch gehen, bin ich doch dieses Jahr bereits innerhalb von drei Tagen von Zürich um den Bodensee und zurück geradelt. Also packe ich es an. Auf geht’s!

Dann, nach dem ersten Kilometer der Schock! Mein üblicher Weg über den Pass ist für jeglichen Verkehr gesperrt. Nun gilt es also umzudisponieren und eine andere Route zu nehmen. Einen Weg hoch nach Regensberg, den ich noch nie gefahren bin.

Die Strecke ist einfach zu finden, und ich staune – sie ist sogar viel angenehmer zu fahren. Die Steigung, obwohl länger, ist einiges rhythmischer als der mir bekannte direkte Anstieg von Dielsdorf.

Wunderschöne Abschnitte durch den Wald wechseln sich ab mit einem herrlichen Ausblick über das Neeracher Ried. Dies könnte sich sogar zu einer meiner Lieblingsstrecken entwickeln.

Wenn es darum geht, Berge mit dem Rennrad zu bezwingen, habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis. Einerseits freue ich mich immer wieder über die Herausforderung und das Erlebnis. Andererseits hasse ich es, weil ich wirklich an mein Limit stosse und es jedes Mal eine grosse Überwindung kostet, hochzukraxeln.

Ich erreiche Regensberg, und nach einem kurzen Trinkhalt geht es weiter hinauf über den letzten Abschnitt der Steigung. Doch, oh Schreck – der Berg scheint heute wirklich nicht mein Freund zu sein und unternimmt alles, mich an der Überfahrt hindern zu können. Auch der letzte Streckenabschnitt ist blockiert. Also heisst es, zuerst mal wieder ein Stück runter über einen längeren Kiesabschnitt zu fahren.

Nachdem auch dieser Teil schadlos mit dem Rennrad überstanden ist (andere Radfahrer hatten da nicht so viel Glück und sehen sich am Wegrand zum Schlauch ersetzen gezwungen) mache ich mich, vorbei an Reitern und Wanderern, auf in den letzten Steigungskilometer.

Geschafft, oben angekommen! Allen Hindernissen und Umwegen zum Trotz bin ich auf dem Pass. Dies sind die Glücksmomente beim Sport, die motivieren und für die es sich lohnt immer weiterzumachen.

Nun geht es in rasanter Fahrt hinunter und dann auf die letzten flachen 15 Kilometer bis nach Hause.

Dort wartet schon sehnsüchtig noch die letzte Steigung des Tages rauf den Hönggerberg. Zwar nur ein Kilometer, dafür wirklich sehr steil. Eigentlich schon beinahe überhängend. Auch diese werde ich noch schaffen! Alles andere wäre ja wohl gelacht.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert